02.07.2013

oberflächen

Ich sehe mich um. Ich kenne diesen Ort. Das vergilbte Gras, die Risse im Asphalt. Ein kleines Stück Plastik, zertreten und kaum erkennbar, hat die ganze Zeit überdauert und erinnert vage an ehemals Gegenwärtiges. Vor meinem inneren Auge sehe ich den die ganze Geschichte, die Schritte und den Regen von vor langer Zeit. Seitdem sind die Bäume wieder ein Stück gewachsen, hat sich der Himmel verändert und der Geruch. Jetzt riecht es nach Meerwasser. Als wäre ich irgendeiner Macht entkommen, so riecht Meer immer. Als wären wir auf dem Weg nach Hause und hätten bereits einen Vorsprung von mehreren hundert Meilen, und der Wind steht gut heute, wenn das so bleibt, dann brauchen wir nichtmal mehr einen Monat, bis wir wieder zuhause sind, aber lasst uns diesen einen Monat noch genießen und uns an all das erinnern, was wir erlebt haben! So riecht das Meer, und so riecht es hier oder in meiner Erinnerung, das war früher nicht so. Ich sehe den Wind die Halme biegen, lasse meinen Kopf das Lied wieder spielen, dessen Mittelteil ich schon ganz vergessen habe, aber den Anfang weiß ich noch und er passt immernoch so gut hier her, zu den Zigarettenstummeln auf dem Boden und der Windrichtung, zur Sonne, der Lichtung, die bereits hinten liegt. Aber nicht zum Meer. Wieso ist mir nie aufgefallen, dass das hier eine Küste ist? Vielleicht, weil ich nie weiter gegangen bin als bis hierher...
"Warst du schon einmal hier?"
"Ja, oft. Ich träumte damals..."

Während ich erzähle, geht die Sonne unter.

1 Kommentar:

  1. Eine kleine Anekdote: Als ich vor kurzem wegen jüngster Ereignisse im Krankenhaus lag und mich nicht bewegen durfte, wanderte ich mit unbeweglichen Füßen durch das Web und ich weiß noch, dass ich diesen Post gelesen habe. Denn ich war plötzlich meilenweit weg und konnte alles um mich herum zur Seite schieben, aus allen Angeln gerissen. Das bedeuetete mir damals viel und tut es immer noch.

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Batz was dazu!